Zehn Prozent als Obergrenze: Ein massiver Eingriff
US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, die Zinsen für Kreditkarten in den Vereinigten Staaten zeitlich befristet zu begrenzen. Ab dem 20. Januar soll für zunächst ein Jahr ein Maximalzinssatz von 10 Prozent gelten. Die Maßnahme zielt darauf ab, die finanzielle Belastung vieler US-Haushalte zu senken, die stark von Kreditkartenfinanzierung abhängig sind. Ob und auf welchem rechtlichen Weg ein solcher Eingriff umgesetzt werden kann, blieb zunächst offen.
Trump begründete seinen Vorstoß damit, dass ein großer Teil der Bevölkerung „von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck“ lebe und kaum finanzielle Reserven besitze. Kreditkarten würden in den USA deutlich häufiger genutzt als in Europa, wodurch hohe Zinsen Monat für Monat einen erheblichen Teil des Einkommens aufzehrten.
Aktuelle Zinssätze deutlich höher
Die Dimension des geplanten Eingriffs wird deutlich beim Blick auf die Zahlen der US-Notenbank Federal Reserve. Demnach lag der durchschnittliche Kreditkartenzins zwischen Ende 2023 und Ende 2024 bei 21,5 Prozent. Trumps Vorschlag würde diesen Wert faktisch halbieren.
Für Verbraucher könnte dies kurzfristig spürbare Entlastung bedeuten. Für Banken und Kreditkartenanbieter hingegen stellt der Schritt einen tiefgreifenden Einschnitt in bestehende Geschäftsmodelle dar.
Banken schlagen Alarm und warnen vor Folgen
Die Reaktion der Finanzbranche fiel entsprechend scharf aus. Banken und Lobbyverbände warnten in einer gemeinsamen Stellungnahme vor „verheerenden Folgen für Millionen amerikanischer Familien und kleiner Unternehmen“. Eine starre Zinsobergrenze würde zwangsläufig dazu führen, dass Kredite restriktiver vergeben oder ganz gestrichen würden. Konkrete Szenarien nannten die Verbände zwar nicht, machten aber deutlich, dass insbesondere Kunden mit höherem Ausfallrisiko betroffen wären.
Aus Sicht der Institute dienen hohe Zinsen nicht nur der Gewinnerzielung, sondern auch der Absicherung von Kreditausfällen. Fällt dieser Puffer weg, müssten Banken ihre Risikomodelle grundlegend überarbeiten.
Überraschender Kurswechsel im Wahljahr
Politisch markiert Trumps Vorstoß eine bemerkenswerte Kehrtwende. Noch vor kurzer Zeit hatte er Debatten über steigende Lebenshaltungskosten als „Schwindel der Demokraten“ abgetan. Nun rückt er das Thema „Erschwinglichkeit“ ins Zentrum seiner Rhetorik und kündigt gleich mehrere Eingriffe an.
Neben dem Zinsdeckel stellte Trump auch in Aussicht, institutionellen Investoren wie Banken, Versicherungen oder Großkonzernen den Kauf von Einfamilienhäusern untersagen zu wollen. Auch hierfür kündigte er „umgehende Maßnahmen“ an, ohne Details zu nennen.
Die zeitliche Nähe zu den Kongresswahlen im November ist auffällig. Bei den sogenannten Midterms stehen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie rund ein Drittel des Senats zur Wahl. Verlören die Republikaner ihre derzeit knappen Mehrheiten, würde Trumps Handlungsspielraum erheblich schrumpfen.
Aktienmärkte reagieren nervös
Die Börsen reagierten prompt. Aktien großer Kreditkarten- und Finanzkonzerne gerieten deutlich unter Druck. In den USA verloren American Express vorbörslich 4,4 Prozent und fielen auf 359,00 US-Dollar. Visa gaben 1,6 Prozent auf 344,24 US-Dollar nach, Mastercard verloren 1,8 Prozent auf 565,37 US-Dollar.
Auch europäische Banken mit starkem US-Geschäft blieben nicht verschont. Besonders deutlich traf es Barclays, deren Aktie um 3,1 Prozent auf 469,75 Pence nachgab. Banco Santander und Société Générale verloren jeweils 1,7 Prozent. Die Deutsche Bank kam mit einem Minus von 0,5 Prozent auf 32,89 Euro vergleichsweise glimpflich davon.
Analysten sehen Geschäftsmodelle in Gefahr
Der Analyst Matt Britzman von Hargreaves Lansdown betonte, eine Zinsobergrenze von zehn Prozent entspreche etwa der Hälfte des derzeitigen Marktniveaus. Damit würden „die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der gesamten Branche auf den Kopf gestellt“.
Banken hätten bei diesem Zinsniveau kaum noch Spielraum, Risiken zu kompensieren. Britzman erwartet, dass Institute auf mehreren Ebenen reagieren müssten: Senkung von Kreditlimits, Schließung riskanter Konten sowie eine Reduzierung von Bonus- und Prämienprogrammen. Besonders betroffen wären stark auf Kreditkarten spezialisierte Unternehmen in den USA, aber auch große Universalbanken mit umfangreichen Kartensparten.
Politisches Signal mit wirtschaftlichen Nebenwirkungen
Auch Marktstrategen sehen in Trumps Ankündigung weniger eine kurzfristige Verbrauchermaßnahme als vielmehr ein politisches Signal. Neil Wilson von Saxo Markets sprach von einem weiteren Eingriff in die US-Wirtschaft mit Blick auf die anstehenden Wahlen. Die Unsicherheit über die tatsächliche Umsetzung reiche bereits aus, um Bewertungen unter Druck zu setzen – nicht nur bei Banken, sondern auch bei Zahlungsdienstleistern wie Visa, Mastercard, Capital One und American Express.

Fest steht: Der Vorschlag eines staatlichen Zinsdeckels greift tief in bestehende Marktmechanismen ein. Während Verbraucher kurzfristig profitieren könnten, drohen langfristig strengere Kreditvergaben und eine spürbare Verschiebung der Risiken innerhalb des Finanzsystems.