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Arktische Kältewelle erfasst Kanada und die USA

Cornelia Schröder-Meins
Letzte Aktualisierung: 23. Januar 2026 19:58
Cornelia Schröder-Meins
polare-kältefront-lähmt-nordamerika

Extremtemperaturen bis minus 50 Grad sorgen für Alarm

Eine massive arktische Kältewelle hält weite Teile Nordamerikas fest im Griff. In Kanada haben die Behörden landesweit Warnungen ausgesprochen, nachdem die gefühlten Temperaturen in mehreren Regionen auf bis zu minus 50 Grad Celsius gefallen sind. Besonders betroffen sind die Prärieprovinzen Saskatchewan und Manitoba, wo Environment Canada flächendeckend Warnstufe Orange ausgerufen hat. Diese Warnstufe wird dann aktiviert, wenn mit erheblichen Gefahren für Gesundheit, Infrastruktur und den Alltag zu rechnen ist.

Auch große Teile des Nordwestens von Ontario stehen unter derselben Warnkategorie. Nach Angaben der Wetterbehörde handelt es sich um eine mehrtägige Kältephase, bei der Windchill-Werte zwischen minus 40 und minus 50 Grad erwartet werden. Für die betroffenen Regionen bedeutet dies eine außergewöhnliche Belastung für Mensch und Technik.

Behörden warnen vor Gesundheitsgefahren

Environment Canada weist eindringlich auf die Risiken hin. Wörtlich heißt es: „Extreme Kälte stellt für alle ein Risiko dar.“ Die Behörde empfiehlt dringend, sich mehrschichtig und winddicht zu kleiden, Aufenthalte im Freien auf das Nötigste zu beschränken und auch Haustiere nicht der Kälte auszusetzen. Zudem sollten Häuser gut isoliert, Heizsysteme überprüft sowie Zugluft und undichte Stellen abgedichtet werden.

Auch in anderen Landesteilen bleibt die Lage angespannt. Über Ontario und weiten Teilen von Québec liegt weiterhin eine arktische Luftmasse. In zentralen Regionen Ontarios gilt Warnstufe Gelb, die dennoch Windchill-Werte von minus 40 bis minus 45 Grad umfasst. Selbst im Süden Ontarios, nördlich des Großraums Toronto, werden gefühlte Temperaturen von minus 30 bis minus 33 Grad erwartet. In Québec liegen die Prognosen bei minus 35 bis minus 40 Grad.

Maritimes bereiten sich auf eisige Tage vor

Auch die Atlantikprovinzen bleiben nicht verschont. In New Brunswick werden ab Samstag Temperaturen zwischen minus 30 und minus 37 Grad vorhergesagt. Besonders der Nordwesten der Provinz dürfte bis Sonntag die kältesten Bedingungen erleben. Kommunen bereiten Notunterkünfte vor und appellieren an die Bevölkerung, unnötige Wege zu vermeiden.

Wintersturm bedroht weite Teile der USA

Parallel zur Kälte in Kanada steuert ein gewaltiges Wintersturm-System auf die USA zu. Nach Einschätzung der Wetterdienste sind mehr als 177 Millionen Menschen von Schnee- und Eiswarnungen betroffen, während über 200 Millionen zusätzlich unter Kältewarnungen stehen. Besonders brisant ist die Kombination aus Eisregen, Schnee und extremen Temperaturen, die sich von Texas bis Neuengland erstreckt.

Meteorologen warnen, dass die Schäden in stark vereisten Gebieten das Ausmaß eines Hurrikans erreichen könnten. Stromversorger bereiten sich auf langanhaltende Ausfälle vor, da vereiste Bäume und Leitungen selbst Tage nach dem Sturm noch brechen können.

Schulen geschlossen und Infrastruktur unter Druck

Im Mittleren Westen der USA führten arktische Luftmassen bereits zu Schulschließungen. In Chicago sagten die öffentlichen Schulen den Unterricht ab, da bei Windchill-Werten von minus 40 Grad Fahrenheit Erfrierungen innerhalb weniger Minuten drohen. In Bismarck, North Dakota, wurde am Morgen eine gefühlte Temperatur von minus 41 Grad Fahrenheit gemessen.

Colin Cross, der in Bismarck im Freien arbeitete, beschrieb die Situation mit den Worten: „Ich bin schon lange hier, aber irgendwann setzt das Denken einfach aus.“ Er trug mehrere Kleidungsschichten, um überhaupt arbeitsfähig zu bleiben.

Eisregen bedroht Stromversorgung

Besonders kritisch ist die Lage in den Südstaaten, wo viele Haushalte elektrisch beheizt werden. Eis kann mehrere hundert Kilogramm zusätzliches Gewicht auf Stromleitungen und Äste bringen. Bereits geringe Windstöße reichen dann aus, um massive Schäden zu verursachen.

In Texas wurden Schulen in Houston geschlossen, während Energieversorger tausende zusätzliche Mitarbeiter mobilisierten. Bürgermeister John Whitmire erklärte öffentlich: „Alle sind im Einsatz. Wir hoffen auf das Beste, sind aber auf das Schlimmste vorbereitet.“

Flugverkehr und Versorgung stark beeinträchtigt

Der Wintersturm hat auch erhebliche Auswirkungen auf den Reiseverkehr. Landesweit wurden über 1.000 Flüge gestrichen oder verspätet, mehr als die Hälfte davon im Raum Dallas. Für den folgenden Tag meldeten Flugtracker bereits über 1.400 Annullierungen, insbesondere mit Blick auf den Großraum Atlanta.

Lehren aus früheren Kältekatastrophen

Die Erinnerung an den schweren Kälteeinbruch vor fünf Jahren ist in den USA noch präsent. Damals brach in Texas ein Großteil des Stromnetzes zusammen, Millionen Menschen waren tagelang ohne Elektrizität, hunderte Todesfälle wurden registriert. Gouverneur Greg Abbott betonte nun, dass sich ein solches Szenario nicht wiederholen dürfe.

Auch Wasserleitungen stehen unter Gefahr. In Atlanta, wo Temperaturen von minus 12 Grad Celsius und über 36 Stunden Dauerfrost erwartet werden, bereiten sich Handwerksbetriebe auf eine Flut von Notrufen vor. Installateurin Melissa Cary sagte: „Wir arbeiten durchnässt, mit tauben Fingern und Zehen. Ohne heißen Kakao und Suppe geht es nicht.“

Menschen suchen Schutz vor der Kälte

Viele Menschen ziehen sich in ihre Wohnungen zurück oder suchen Schutzräume auf. In Atlanta versuchte der obdachlose Eliacar Diego, einen der städtischen Wärmestützpunkte zu erreichen. Er sagte: „Ich muss dieses Wochenende einfach überstehen.“Auch Studierende reagieren pragmatisch. An der University of Georgia entschieden sich viele, trotz offizieller Empfehlungen auf dem Campus zu bleiben. Studentin Eden England erklärte: „Egal wo ich bin, es wird schwierig. Dann lieber gemeinsam mit Freunden.“

Stichwörter: Eisregen, Extremkälte, Frost, Kanada, Nordamerika, Polarwirbel, Stromausfall, USA, Wetterwarnung, Wintersturm
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