Die Worte von Premierminister Mark Carney beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos haben zwischen Kanada und den USA für Verwerfungen gesorgt. Besonders die Themen des Freihandels und der Sicherheitspolitik stehen dabei im Zentrum der Diskussionen. Carney, der eine Diversifizierung des kanadischen Handels und weniger Abhängigkeit von den USA fordert, weicht nicht von seinen Standpunkten ab, was den US-Finanzminister Scott Bessent und US-Präsident Donald Trump auf den Plan rief.
Carneys klare Haltung zu seinen Aussagen
Carney hat in einer Reaktion auf Bessents Bemerkungen deutlich gemacht, dass er sich keineswegs von seinen kritischen Aussagen beim WEF distanziert habe. „Damit das absolut klar ist“, so Carney, „ich habe gemeint, was ich in Davos gesagt habe.“ In seiner Rede hatte er die Geopolitik und die wirtschaftliche Einflussnahme von Großmächten auf kleinere Länder scharf kritisiert. Diese Äußerungen fanden international viel Zustimmung.
Carney betonte, dass Kanada die von Trump eingeleitete Handelspolitik früh erkannt und entsprechend reagiert habe: „Kanada war das erste Land, das den Wandel in der US-Handelspolitik begriffen hat“, erklärte Carney weiter. Dabei unterstrich er, dass seine Kritik in keinem Fall auf Trump persönlich abzielte, sondern vielmehr auf die geopolitischen Tendenzen im internationalen Handel.
Handelskonflikte mit China: Kanada bleibt standhaft
Ein zentraler Konfliktpunkt zwischen den beiden Ländern war Kanadas potenzielles Handelsabkommen mit China. Trump hatte erneut mit Zöllen von 100 Prozent auf kanadische Waren gedroht, falls Kanada ein umfangreiches Abkommen mit China vorantreibe. Carney reagierte darauf mit der Klarstellung, dass Kanada nicht an solch einem umfassenden Abkommen interessiert sei, sondern lediglich Zölle auf bestimmte Produkte mit China verringern wolle.
„Ich habe ihm unsere Vereinbarung mit China erklärt“, so Carney. „Ich habe ihm erklärt, was wir machen – zwölf neue Abkommen, vier Kontinente, in sechs Monaten“, fügte er hinzu. Trump soll von dieser Erklärung „beeindruckt“ gewesen sein, dennoch bleiben die Spannungen bestehen.
Streit um den F-35-Deal: Was bedeutet das für die Verteidigungskooperation?
Ein weiteres geopolitisches Thema, das die kanadisch-amerikanischen Beziehungen belastet, ist der Kauf von F-35-Kampfjets aus den USA. Carney plant, den kanadischen Handel stärker zu diversifizieren und den Druck von den USA zu verringern. Die F-35-Kampfflugzeuge waren bislang ein wichtiger Bestandteil der kanadischen Luftverteidigung, doch unter dem neuen Verteidigungsminister zeigt Kanada Interesse, sich nach Alternativen umzusehen.
Dies hat zu einem offenen Konflikt mit den USA geführt, die ein starkes Interesse daran haben, dass Kanada weiterhin auf amerikanische Technologie setzt. Der US-Botschafter in Kanada, Pete Hoekstra, warnte in einem Interview, dass eine Abkehr von der F-35-Kooperation Auswirkungen auf die NORAD-Zusammenarbeit (North American Air Defence Command) haben könnte. Er erklärte: „Wenn Kanada diese Fähigkeit nicht mehr bereitstellt, müssen wir diese Lücken füllen.“
Bedrohung für das bilaterale Verhältnis
Die kanadisch-amerikanischen Beziehungen stehen vor einer entscheidenden Weichenstellung. Trump selbst hatte bereits mit Äußerungen über eine mögliche Annexion von Grönland durch die USA für Besorgnis in Kanada gesorgt. Grönland, eine autonome Region Dänemarks, liegt in der Nähe von Kanada und spielt eine strategische Rolle in der nordamerikanischen Sicherheitspolitik. Trump hatte zudem angedeutet, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA machen zu wollen, was die Souveränität Kanadas infrage stellt.
Kanadas Antwort: Eigenständige Handelspolitik
Angesichts der geopolitischen Unsicherheiten verfolgt Kanada zunehmend einen eigenständigen Kurs. Carney erklärte: „Wir müssen unser Land und unsere Wirtschaft auf die Zukunft vorbereiten.“ Die politische Ausrichtung Kanadas soll nicht mehr ausschließlich auf den USA beruhen. Die EU, China und andere Schlüsselmärkte sollen verstärkt in den Fokus geraten, um die Abhängigkeit von den USA zu reduzieren und neue Handelsabkommen zu sichern.