Der weltweite Ausbau von Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) sorgt bei mehreren Technologiekonzernen für kräftige Zuwächse bei Umsatz und Gewinn. Hersteller von Prozessoren, Servern und Leistungshalbleitern profitieren von der stark steigenden Nachfrage nach Rechenleistung. Gleichzeitig zeigen die Kursreaktionen an den Börsen, dass selbst überzeugende Geschäftszahlen nicht automatisch zu steigenden Aktienkursen führen.
AMD wächst kräftig dank KI-Prozessoren
Der US-Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD) meldete für das abgelaufene Quartal einen Umsatzanstieg von 34 Prozent auf den Rekordwert von 10,27 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn erhöhte sich um 40 Prozent auf 1,53 US-Dollar je Aktie.

Konzernchefin Lisa Su erklärte:
„Wir sind in sämtlichen Geschäftsbereichen mit Schwung ins Jahr 2026 gestartet.“
Für das laufende Quartal stellt AMD Erlöse zwischen 9,5 und 10,1 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Haupttreiber bleibt der Absatz von Hochleistungsprozessoren für KI-Rechenzentren.
Aktie trotz guter Zahlen unter Druck
Trotz der besser als erwarteten Ergebnisse gaben die AMD-Aktien im vorbörslichen Handel um 7,1 Prozent nach. Analysten sehen darin ein Zeichen dafür, dass die Erwartungen im Vorfeld sehr hoch gewesen seien.
Die Swissquote-Analystin Ipek Ozkardeskaya schrieb:
„Es fühlt sich zunehmend so an, als ob die KI-Rallye zurückgenommen wird, egal wie stark die Ergebnisse sind.“
Auch die Analysten von Jefferies verweisen darauf, dass die Markterwartungen vor der Zahlenvorlage bereits extrem ambitioniert gewesen seien.
Super Micro hebt Jahresziel deutlich an
Einen besonders starken Wachstumsschub meldete der Serverhersteller Super Micro Computer (SMCI). Die hohe Nachfrage nach KI-Hochleistungsrechnern ließ den Quartalsumsatz um rund 123 Prozent auf 12,7 Milliarden US-Dollar steigen. Der Reingewinn legte um 17 Prozent auf 0,59 US-Dollar je Aktie zu.
Das Unternehmen erhöhte daraufhin seine Jahresprognose und rechnet nun mit Erlösen von mindestens 40 Milliarden US-Dollar statt zuvor 36 Milliarden US-Dollar.

Finanzchef David Weigand betonte:
„Die Auftragslage ist unverändert stark.“
Für das laufende Quartal stellt SMCI Umsätze von mindestens 12,3 Milliarden US-Dollar sowie einen Gewinn von mindestens 0,60 US-Dollar je Aktie in Aussicht. Die Aktie legte im nachbörslichen Handel um mehr als sechs Prozent zu.
Infineon beschleunigt Ausbau der KI-Fertigung
Auch der deutsche Halbleiterkonzern Infineon profitiert vom KI-Trend. Das Unternehmen steigerte im ersten Quartal des Geschäftsjahres seinen Umsatz im Jahresvergleich um sieben Prozent auf 3,66 Milliarden Euro. Das Segmentergebnis wuchs doppelt so stark auf 655 Millionen Euro. Die Segmentmarge verbesserte sich von 16,7 auf 17,9 Prozent.
Infineon kündigte an, die Investitionen in seine Fertigungskapazitäten für KI-Chips zu erhöhen. Im laufenden Geschäftsjahr 2025/26 sollen die Ausgaben 2,7 Milliarden Euro betragen statt bislang geplanten 2,2 Milliarden Euro.

Die Umsätze mit KI-Chips sollen nach Unternehmensangaben auf 1,5 Milliarden Euro steigen und im darauffolgenden Jahr 2,5 Milliarden Euro erreichen.
Oracle sammelt Milliarden für neue Rechenzentren ein
Der Softwarekonzern Oracle will seine KI-Infrastruktur massiv ausbauen und dafür frisches Kapital aufnehmen. Das Unternehmen kündigte eine Kapitalerhöhung im Umfang von bis zu 20 Milliarden US-Dollar an. Insgesamt plant Oracle im laufenden Jahr eine Mittelaufnahme von bis zu 50 Milliarden US-Dollar, unter anderem durch die Ausgabe von Anleihen.

Die ambitionierten Pläne stoßen bei Investoren jedoch auf gemischte Reaktionen. Oracle weist bereits einen Schuldenstand von rund 100 Milliarden US-Dollar auf. Zudem blieb das Wachstum der Cloud-Sparte zuletzt hinter den Erwartungen zurück.
Starke Zahlen treffen auf hohe Erwartungen
Die jüngsten Entwicklungen zeigen, wie stark der KI-Boom die Geschäftszahlen vieler Technologiekonzerne prägt. Gleichzeitig verdeutlichen sie, dass an den Börsen nicht mehr allein das Wachstum zählt, sondern vor allem, ob Unternehmen die teils extrem hohen Erwartungen übertreffen können.
Selbst solide Quartalsberichte reichen zunehmend nicht aus, um Kursverluste zu verhindern. Der Markt scheint kritischer zu prüfen, wie nachhaltig das Wachstum ist und welche Unternehmen langfristig zu den Gewinnern des KI-Zeitalters zählen.