Die Wohnkosten in deutschen Städten haben zum Jahresende 2025 deutlich stärker zugelegt als die allgemeine Teuerung. Einer aktuellen Auswertung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) zufolge verzeichneten die Angebotsmieten im vierten Quartal 2025 bundesweit einen nominalen Anstieg von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Selbst nach Abzug der Inflation ergibt sich noch ein reales Plus von 2,3 Prozent. Für Wohnungssuchende verschärft sich damit die Lage spürbar.
Angebot schrumpft, Bedingungen werden restriktiver
Nach Einschätzung der Forscher liegt der Preisdruck nicht allein an der Nachfrage, sondern vor allem an strukturellen Veränderungen auf dem Mietmarkt. Jonas Zdrzalek, Immobilienexperte am IfW, beschreibt die Situation klar: „Wohnungssuchende haben es aktuell schwer.“
Er verweist darauf, dass das klassische Mietangebot kontinuierlich zurückgehe, während Vermieter zunehmend auf befristete Verträge, möbliertes Wohnen oder strengere Vertragskonditionen setzen. Diese Entwicklung verschiebt das Kräfteverhältnis weiter zugunsten der Anbieter und erhöht die effektiven Wohnkosten zusätzlich, selbst wenn die Kaltmiete auf den ersten Blick moderat erscheint.
Reale Mietsteigerungen trotz nachlassender Inflation
Bemerkenswert ist vor allem der inflationsbereinigte Zuwachs. Während sich die Verbraucherpreise im Verlauf des Jahres 2025 langsamer entwickelten, hielten die Mieten ihr hohes Tempo bei. Die Studie zeigt damit, dass Wohnen für viele Haushalte zu einem immer größeren finanziellen Belastungsfaktor wird, unabhängig von der allgemeinen Preisentwicklung bei Energie, Lebensmitteln oder Konsumgütern.
München bleibt unangefochten an der Spitze
Im Städtevergleich bestätigt sich die bekannte Rangfolge, allerdings auf deutlich höherem Niveau. München bleibt die teuerste Großstadt Deutschlands. Die durchschnittliche Kaltmiete pro Quadratmeter lag dort zuletzt bei 23,35 Euro.
Auf Rang zwei folgt Frankfurt am Main mit 17,36 Euro pro Quadratmeter. Der Abstand zwischen diesen beiden Metropolen und dem Rest des Landes bleibt damit erheblich und unterstreicht die anhaltende Attraktivität der wirtschaftsstarken Ballungsräume.
Leipzig vergleichsweise günstig
Am unteren Ende der Skala steht Leipzig, das unter den acht größten erfassten Städten weiterhin die günstigsten Mieten aufweist. Dort lag die durchschnittliche Kaltmiete bei 10,22 Euro pro Quadratmeter. Trotz dieser vergleichsweise moderaten Werte ist auch in Leipzig ein Aufwärtstrend zu beobachten, der die Stadt zunehmend für einkommensschwächere Haushalte unattraktiver macht.
Bundesweiter Durchschnitt steigt deutlich
Über alle 37 untersuchten Städte und Regionen hinweg ergibt sich ein durchschnittlicher Mietpreis von 14,41 Euro pro Quadratmeter. Dieser Wert verdeutlicht, dass hohe Wohnkosten längst kein reines Metropolenphänomen mehr sind. Auch mittelgroße Städte und regionale Zentren verzeichnen spürbare Mietsteigerungen, was den Druck auf Pendler, Familien und Berufseinsteiger erhöht.
Wohnungsmarkt bleibt strukturell angespannt
Die IfW-Analyse macht deutlich, dass es sich nicht um ein kurzfristiges Phänomen handelt. Sinkende Neubautätigkeit, hohe Baukosten und regulatorische Unsicherheiten begrenzen das Angebot zusätzlich. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage hoch, insbesondere in wirtschaftsstarken Regionen und Universitätsstädten.
Die Kombination aus knapper werdendem Angebot und steigenden Preisen führt dazu, dass sich der Wohnungsmarkt zunehmend fragmentiert. Wer flexibel ist oder höhere Einkommen erzielt, findet eher eine Lösung, während andere Haushalte immer häufiger aus den Innenstädten verdrängt werden.