Westliche Sicherheitspläne feste Militärbasen in der Ukraine nach möglicher Waffenruhe
Nach einem möglichen Waffenstillstand im Krieg in der Ukraine konkretisieren Frankreich und Großbritannien ihre sicherheitspolitischen Vorstellungen für die Zeit danach. Beide Regierungen beabsichtigen, im Fall einer Waffenruhe eigene militärische Einrichtungen auf ukrainischem Boden einzurichten. Ziel sei es, die Sicherheit der Ukraine langfristig abzusichern und militärische Strukturen für den Ernstfall bereitzuhalten.
Der britische Premierminister Keir Starmer sprach in Paris von „geschützten Einrichtungen“, in denen Waffen, Ausrüstung und logistische Kapazitäten untergebracht werden sollen.
Paris und London setzen auf robuste Absicherung
Auch der französische Präsident Emmanuel Macron betonte, dass ein Waffenstillstand allein nicht ausreiche. Die Ukraine benötige „robuste Sicherheitsgarantien“, um erneute Angriffe abzuschrecken. Frankreich sehe sich bereit, im Rahmen internationaler Vereinbarungen militärische Präsenz zu zeigen und damit ein klares Signal an potenzielle Aggressoren zu senden.
Die geplanten Stützpunkte sollen nach Angaben aus Regierungskreisen vor allem defensiven Zwecken dienen und eng mit internationalen Partnern abgestimmt werden.
Bundesregierung hält sich mit Zusagen zurück
Während Paris und London vergleichsweise offensiv auftreten, reagiert die Bundesregierung deutlich vorsichtiger. Bundeskanzler Friedrich Merz machte klar, dass Deutschland sich weiterhin politisch, finanziell und militärisch engagieren werde, ohne jedoch konkrete Zusagen zur Stationierung eigener Truppen in der Ukraine zu machen.
Wörtlich erklärte Merz: „Deutschland wird sich weiter politisch, finanziell und eben auch militärisch einbringen. Dazu kann zum Beispiel gehören, dass wir nach einem Waffenstillstand Kräfte für die Ukraine auf benachbartem NATO-Gebiet einmelden.“
Über Art und Umfang eines möglichen deutschen Beitrags müssten Bundesregierung und Bundestag entscheiden, sobald die Rahmenbedingungen feststünden.
Rolle der „Koalition der Willigen“
Die sicherheitspolitischen Überlegungen sind eingebettet in eine internationale Abstimmung mehrerer Staaten. Zur sogenannten Koalition der Willigen zählen 35 Länder, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien und Kanada.
In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigten die beteiligten Staaten, dass die Souveränität und dauerhafte Sicherheit der Ukraine ein zentraler Bestandteil jedes Friedensabkommens sein müsse. Eine Einigung dürfe nur Bestand haben, wenn sie durch belastbare Sicherheitsmechanismen abgesichert werde.
Kernelemente der geplanten Sicherheitsgarantien
Die Koalition formulierte mehrere Grundpfeiler für die Zeit nach einem Waffenstillstand. Dazu gehört die Teilnahme an einem von den USA geführten Mechanismus zur Überwachung und Verifikation der Waffenruhe.
Darüber hinaus soll die Ukraine langfristig militärisch unterstützt werden. Vorgesehen sind unter anderem Verteidigungspakete, finanzielle Hilfe für Waffenkäufe, die Sicherstellung des Staatshaushalts zur Finanzierung der Streitkräfte sowie der Zugang zu internationalen Waffenlagern für den Ernstfall.
Zudem ist der Aufbau einer multinationalen Truppe geplant, die mit Kräften williger Staaten die ukrainischen Streitkräfte beim Wiederaufbau unterstützt und Abschreckung in der Luft, zur See und an Land gewährleistet.
Deutsche Innenpolitik unter Druck
Die zurückhaltende Position der Bundesregierung stößt im Inland auf scharfe Kritik. Vertreter der AfD warfen dem Kanzler vor, Deutschland unnötigen Risiken auszusetzen. In einem inzwischen gelöschten Beitrag hieß es, Merz sei ein „Sicherheitsrisiko für Deutschland“.
Auch das Bündnis Sahra Wagenknecht äußerte Bedenken. Parteivertreter Fabio De Masi erklärte, die Bundeswehr verfüge „weder über die Kapazitäten noch über die Fähigkeiten, den Frieden in der Ukraine zu sichern“. Ein erneutes Aufflammen des Konflikts könne Deutschland unmittelbar in eine militärische Auseinandersetzung mit Russland ziehen.
Sicherheitsarchitektur mit offenem Ausgang
Fest steht, dass die Diskussion um militärische Stützpunkte, Friedenstruppen und internationale Garantien die politische Debatte in Europa prägen wird. Während Frankreich und Großbritannien klare Zeichen setzen, bleibt die deutsche Position bewusst offen. Ob und in welchem Umfang sich Deutschland an einer militärischen Präsenz beteiligt, dürfte erst entschieden werden, wenn ein konkreter Waffenstillstand tatsächlich greifbar ist.