Symbolischer Akt bei Treffen in Washington
Bei einem Besuch im Weißen Haus kam es zu einer ungewöhnlichen Geste: Die venezolanische Oppositionspolitikerin María Corina Machado überreichte Donald Trump ihre Friedensnobelpreis-Medaille. Nach dem Gespräch erklärte Machado vor Unterstützern, sie habe dem Präsidenten der Vereinigten Staaten die Medaille aus 18 Karat Gold übergeben. Die Urkunde und das Preisgeld von umgerechnet rund einer Million Euro behielt sie jedoch.
Foto aus dem Oval Office sorgt für Aufmerksamkeit
Das Weiße Haus veröffentlichte am Abend ein Bild aus dem Oval Office: Trump steht lächelnd neben Machado und hält einen goldfarbenen Rahmen mit der Medaille. Die Szene fiel in eine Woche, in der Trump erneut öffentlich Kritik am Nobelpreiskomitee und an Norwegen geübt hatte. Er erklärte, er habe „acht und ein Viertel“ Kriege beendet und hätte für jeden davon einen Friedensnobelpreis verdient.

Begründung der Übergabe und politische Deutung
Machado rechtfertigte ihr Geschenk mit Worten der Anerkennung. Es sei ein Zeichen für Trumps „einzigartiges Engagement für unsere Freiheit“. Beobachter ordneten die Geste jedoch auch strategisch ein: Demnach könne Machado versuchen, Trumps Wohlwollen in der Venezuela-Frage zu festigen oder zurückzugewinnen. Der Preis selbst war ihr im vergangenen Jahr für „den Einsatz für die demokratischen Rechte des venezolanischen Volkes“ verliehen worden; sie hatte ihn damals Trump gewidmet.
Distanz aus dem Weißen Haus bleibt bestehen
Trotz des symbolträchtigen Moments hält das Weiße Haus Distanz. Karoline Leavitt, Sprecherin der Präsidentschaft, stellte klar, Trump sehe Machado weiterhin nicht als aussichtsreiche Nachfolgerin des gestürzten venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro. Diese Einschätzung beruhe auf Berichten und Empfehlungen aus dem nationalen Sicherheitsteam. Leavitt ergänzte, der Präsident habe dem Treffen zugestimmt, um Machado persönlich kennenzulernen und offen über die Lage in Venezuela zu sprechen, nicht aber, um seine Position zu ändern.
Trump reagiert öffentlich auf die Geste
Wenige Stunden nach dem Treffen meldete sich Trump über Truth Social zu Wort. Er schrieb: „Es war mir eine große Ehre, heute María Corina Machado aus Venezuela zu treffen. Sie ist eine wundervolle Frau, die so viel durchgemacht hat. María überreichte mir ihren Friedensnobelpreis für meine Arbeit. Welch wunderbare Geste gegenseitigen Respekts! Vielen Dank, María!“
Grenzen der Symbolik beim Nobelpreis
So eindrucksvoll die Übergabe der Medaille wirkt, rechtlich bleibt sie folgenlos. Das Nobelinstitut in Oslo hatte bereits zuvor betont, dass ein Nobelpreis weder widerrufen, geteilt noch übertragen werden kann. Die Medaille gilt damit als symbolisches Erinnerungsstück, nicht als Auszeichnung für Trump. Die Vorder- und Rückseite entsprechender Medaillen sind im Institut in Oslo ausgestellt.
Politischer Kontext und offene Fragen
Trumps langjähriger Wunsch nach dem Friedensnobelpreis ist bekannt und Teil seiner öffentlichen Selbstdarstellung als Vermittler. Die Übergabe durch Machado verleiht dieser Erzählung neue Bilder, ändert jedoch nichts an der formalen Vergabepraxis. Gleichzeitig unterstreicht der Vorgang die komplizierten Beziehungen zwischen der US-Regierung und der venezolanischen Opposition – zwischen persönlicher Anerkennung, politischer Zurückhaltung und symbolischer Politik.