Politische Zäsur sorgt für neue Marktimpulse
Die US Aktienmärkte haben zum Wochenauftakt mit deutlichen Gewinnen reagiert. Auslöser war die Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US Spezialeinheiten. Anleger werteten das Ereignis als potenziellen Wendepunkt für die Energiepolitik in Lateinamerika und als Signal für einen möglichen besseren Zugang westlicher Unternehmen zu den enormen Rohstoffreserven Venezuelas.

Der Dow Jones Index der Standardwerte legte um 1,2 Prozent zu und erreichte 48.952 Punkte. Der marktbreite S and P 500 gewann 0,6 Prozent und stieg auf 6.960 Punkte. Besonders dynamisch entwickelte sich der Nasdaq Composite, der um 0,9 Prozent auf 25.427 Punkte zulegte. Vor allem Technologie und Energiewerte standen im Fokus der Käufer.
Öl und Halbleiter als klare Gewinner
Gefragt waren vor allem Ölkonzerne und Chipunternehmen. Marktteilnehmer setzten darauf, dass US Energieunternehmen künftig leichteren Zugang zu den weltweit größten bekannten Ölreserven erhalten könnten. Entsprechend zogen die Aktien von Chevron und ConocoPhillips jeweils um rund 4 Prozent an.
Noch stärker fiel die Bewegung bei Dienstleistern aus, die für den Wiederaufbau der venezolanischen Förderinfrastruktur entscheidend wären. SLB und Halliburton gewannen zeitweise bis zu 9 Prozent. Der Energiesektor entwickelte sich damit klar besser als der Gesamtmarkt.
Der Stratege Bob Savage vom Vermögensverwalter BNY erklärte dazu wörtlich:
„Die Risikobereitschaft hat zugenommen, da die Aktion in Venezuela als einmalig angesehen wird und die globalen Aktienmärkte durch die Erwartung niedrigerer Energiekosten ermutigt wurden.“
Speicherchips profitieren von Angebotsfantasie
Parallel zur Entwicklung im Energiesektor zogen auch Aktien von Speicherchip Herstellern an. Hintergrund ist die Hoffnung auf weiter steigende Preise bei anhaltender globaler Angebotsknappheit. Die Titel von Micron verteuerten sich in der Spitze um mehr als 3 Prozent, Western Digital legte sogar um über 4 Prozent zu.
Investoren rechnen damit, dass die starke Nachfrage aus den Bereichen Künstliche Intelligenz, Rechenzentren und Industrieautomation das Angebot weiterhin übersteigen könnte. Diese Erwartung stützt den gesamten Technologiesektor.
Euphorie bei US Energiewerten hält an
Im vorbörslichen Handel setzte sich die Bewegung bei US Ölaktien fort. Halliburton gewann zeitweise mehr als 10 Prozent, SLB rund 9 Prozent. Exxon Mobil verteuerte sich um knapp 5 Prozent. Auch Baker Hughes, Chevron, ConocoPhillips und Valero Energy legten jeweils um etwa 7 Prozent zu.
Die Kursgewinne folgten Aussagen von US Präsident Donald Trump, der nach der Aktion in Caracas erklärte, die Vereinigten Staaten benötigten „totalen Zugang“ zu den venezolanischen Ölreserven. Diese Worte nährten Spekulationen, dass bestehende Exportbeschränkungen gelockert oder neu bewertet werden könnten.
Strategische Bedeutung der Ölreserven
Analysten von JP Morgan verwiesen auf die geopolitische Dimension der Entwicklung. Ihrer Einschätzung nach könnten die kombinierten Ölreserven von Venezuela, Guyana und den USA unter amerikanischem Einfluss etwa 30 Prozent der weltweiten Ölreserven ausmachen. Eine solche Konstellation würde die Position der Vereinigten Staaten auf dem Energiemarkt erheblich stärken.

Die Rohölpreise, die zu Wochenbeginn zunächst unter Druck geraten waren, machten ihre Verluste im Tagesverlauf wieder wett und zogen leicht an. Händler sehen darin ein Zeichen für die hohe Sensibilität des Marktes gegenüber politischen Veränderungen.
Wer profitiert am stärksten
Nach Einschätzung der Analysten von Scotiabank könnte kurzfristig ConocoPhillips der größte Gewinner sein. Sollte es zu einem Machtwechsel zugunsten einer westlich orientierten Regierung kommen, könnte der Konzern bis zu 10 Milliarden US Dollar aus früheren Forderungen erhalten und erneut in zwei Großprojekte einsteigen.
Chevron hingegen dürfte laut den Experten keine hohen Einmalzahlungen erwarten. Dennoch verschaffe ihm seine Sonderstellung als aktuell einziges US Unternehmen mit laufenden Aktivitäten im Land einen erheblichen strategischen Vorsprung bei möglichen neuen Förderlizenzen.