Außenministerium bereitet drastische Einschränkungen vor
Die US-Regierung plant eine weitreichende Verschärfung ihrer Visapolitik. Nach internen Vorgaben aus dem Außenministerium soll die Vergabe von Visa für Staatsangehörige aus 75 Ländern noch im Laufe dieses Monats ausgesetzt werden. Nach vorliegenden Informationen soll die Maßnahme ab dem 21. Januar gelten und zunächst zeitlich unbegrenzt in Kraft bleiben. Ziel ist es, die bisherigen Verfahren vollständig zu überarbeiten und deutlich strenger auszulegen.
Zu den betroffenen Staaten zählen unter anderem Russland, Iran, Afghanistan, Jemen, Nigeria, Ägypten, Somalia, aber auch Länder wie Brasilien und Thailand. Eine offizielle Bestätigung durch das Außenministerium blieb zunächst aus. Allerdings verbreitete die Sprecherin von US-Präsident Donald Trump, Karoline Leavitt, entsprechende Berichte öffentlich, was den Plänen zusätzliche politische Brisanz verleiht.
Sozialstaat als zentrales Entscheidungskriterium
Kern der neuen Linie ist die konsequentere Anwendung bestehender Regelungen, die bereits seit Jahren vorsehen, Visa zu verweigern, wenn Antragsteller voraussichtlich staatliche Sozialleistungen in Anspruch nehmen könnten. Künftig sollen diese Vorschriften jedoch erheblich strenger interpretiert werden.
Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte laut internen Vermerken, man werde die eigene Autorität nutzen, um „potenzielle Migranten, die die Großzügigkeit des amerikanischen Volkes ausnutzen würden“, von der Einreise abzuhalten. Entscheidende Kriterien seien künftig unter anderem gesundheitliche Einschränkungen, hohes Alter sowie unzureichende Englischkenntnisse, sofern diese Faktoren eine spätere Abhängigkeit von Sozialhilfe nahelegen.
Trump treibt restriktiven Kurs weiter voran
Die geplanten Schritte stehen im Einklang mit den migrationspolitischen Ankündigungen von Donald Trump. Bereits im November hatte der Präsident erklärt, die Migration aus „Ländern der dritten Welt permanent stoppen“ zu wollen. In der Folge erhielten US-Auslandsvertretungen weltweit konkrete Anweisungen, Visaanträge intensiver zu prüfen und häufiger abzulehnen.
Neu ist weniger der rechtliche Rahmen als vielmehr die politische Vorgabe, sämtliche Spielräume maximal restriktiv zu nutzen. Während Konsulate bislang Ermessensentscheidungen treffen konnten, sollen sie nun zentrale Leitlinien aus Washington strikt umsetzen.
Großer Kreis betroffener Staaten
Der geplante Visastopp betrifft nicht nur klassische Krisen- und Konfliktländer, sondern auch wirtschaftlich relevante Schwellenländer. Dass Brasilien oder Thailand auf der internen Liste stehen, verdeutlicht, dass sicherheitspolitische Erwägungen nicht im Vordergrund stehen. Maßgeblich ist vielmehr die Einschätzung möglicher finanzieller Belastungen für den US-Sozialstaat.
Für viele Antragsteller bedeutet die Maßnahme faktisch einen vollständigen Ausschluss von regulären Einreisemöglichkeiten, solange die Überarbeitung der Verfahren andauert.
Bereits 100.000 Visa im Jahr annulliert
Parallel zur geplanten Aussetzung neuer Visa verschärfen die US-Behörden auch den Umgang mit bereits erteilten Einreisedokumenten. Nach Angaben des Außenministeriums wurden im vergangenen Jahr rund 100.000 Visa annulliert. Damit lag die Zahl der Aufhebungen zweieinhalbmal so hoch wie im Vorjahr.
Die Behörden begründeten diese Entscheidungen mit Gesetzesverstößen durch die Betroffenen. Details zu einzelnen Fällen wurden nicht veröffentlicht, doch die Zahlen unterstreichen die neue Härte der Linie.
Strikte Anwendung statt neuer Gesetze
Nach Darstellung des Außenministeriums handelt es sich nicht um neue gesetzliche Grundlagen, sondern um eine konsequentere Umsetzung bestehender Regeln. Der bisherige Handlungsspielraum der Konsulate soll jedoch deutlich reduziert werden. Entscheidungen sollen stärker zentralisiert und vereinheitlicht werden, um eine möglichst strenge Handhabung sicherzustellen.
Damit verschiebt sich die Verantwortung von den Auslandsvertretungen hin zur politischen Führung in Washington.
Signal an Migranten weltweit
Die geplanten Maßnahmen senden ein klares Signal: Die USA wollen Einwanderung künftig noch stärker nach ökonomischen Kriterien steuern. Selbst formale Einreisewege werden für große Teile der Weltbevölkerung erheblich eingeschränkt. Für viele potenzielle Migranten dürfte dies das Ende realistischer Visa-Perspektiven bedeuten.Gleichzeitig verschärft die Entscheidung die internationale Debatte über Abschottung, soziale Selektion und die Rolle des Sozialstaates in der Migrationspolitik.