Der schwungvolle Auftakt am Edelmetallmarkt ist jäh beendet worden. Nach wochenlangen Kursgewinnen kam es zu einem deutlichen Stimmungsumschwung. Gold und Silber verzeichneten am Montag massive Verluste und gaben einen Großteil ihrer zuvor erzielten Gewinne wieder ab. Auch andere Edelmetalle wie Platin und Palladium gerieten stark unter Druck. Marktteilnehmer sprechen von einer abrupten Korrektur nach einer überhitzten Phase.
Gold und Silber verlieren zweistellig binnen weniger Tage
Am Montag verbilligte sich Gold um rund 5 Prozent, Silber sackte sogar um 8,5 Prozent ab. Bereits am Freitag hatten beide Metalle deutliche Einbußen hinnehmen müssen. In der Summe sind die Gewinne aus der kräftigen Jahresanfangsrallye damit nahezu ausgelöscht.
Der Goldpreis fiel auf etwa 4.621 US-Dollar je Feinunze, Silber rutschte auf 77,28 US-Dollar. Damit notieren beide Edelmetalle auf dem niedrigsten Stand seit Mitte Januar. Für viele Anleger kam der schnelle Stimmungswechsel überraschend, nachdem Gold und Silber zuvor als bevorzugte Absicherung gegolten hatten.


Auch Platin und Palladium geraten unter Verkaufsdruck
Nicht nur Gold und Silber waren von der Korrektur betroffen. Auch Platin und Palladium, die häufig als preisgünstigere Alternativen zu Gold angesehen werden, verloren deutlich an Wert. Die Abgaben zeigten, dass es sich um eine breit angelegte Bewegung handelte und nicht um eine isolierte Schwäche einzelner Metalle.
Händler berichteten von zunehmenden Gewinnmitnahmen, nachdem die Preise in den ersten Wochen des Jahres stark gestiegen waren. Die schnelle Abwärtsbewegung deutet darauf hin, dass viele Marktteilnehmer ihre Positionen gleichzeitig reduzierten.


Personalentscheidung bei der US-Notenbank als Auslöser
Als möglicher Impuls für die plötzliche Trendwende gilt eine politische Personalentscheidung in den USA. Die Nominierung von Kevin Warsh (55) als möglicher Nachfolger von US-Notenbankchef Jerome Powell sorgte an den Märkten für Nervosität. Warsh ist derzeit Notenbankdirektor und wird als wirtschaftspolitisch eigenständig wahrgenommen.
Tim Waterer, Chefanalyst beim Broker KCM, sagte dazu wörtlich:
„Die Nominierung von Kevin Warsh war wahrscheinlich der anfängliche Auslöser, rechtfertigte aber nicht das Ausmaß des Preisrückgangs bei Edelmetallen.“
Zinserwartungen rücken erneut in den Fokus
Nach Einschätzung vieler Experten spielt die Geldpolitik eine zentrale Rolle für die Bewertung von Edelmetallen. Kevin Warsh gilt als Ökonom, der sich dem Wunsch von US-Präsident Donald Trump nach schnellen und aggressiven Zinssenkungen nicht ohne Weiteres unterordnen dürfte. Diese Einschätzung veränderte die Erwartungen an den künftigen Kurs der US-Notenbank.
Steigende oder länger hoch bleibende Zinsen gelten als Belastungsfaktor für Edelmetalle, da sie keine laufenden Erträge abwerfen. Entsprechend sensibel reagierten die Märkte auf Signale, die auf eine weniger expansive Geldpolitik hindeuten könnten.
Scharfe Korrektur nach überhitzter Marktphase
Marktbeobachter sehen in den aktuellen Verlusten auch eine technische Gegenbewegung. Die Rallye zum Jahresbeginn hatte Gold und Silber in kurzer Zeit auf sehr hohe Niveaus getrieben. Die nun erfolgte Korrektur wird daher teilweise als Bereinigung überzogener Erwartungen interpretiert.
Gleichzeitig zeigt die Heftigkeit des Rückgangs, wie nervös die Anleger derzeit agieren. Schon vergleichsweise kleine Auslöser können deutliche Kursbewegungen nach sich ziehen, wenn viele Marktteilnehmer ähnlich positioniert sind.
Edelmetallmärkte bleiben anfällig für Schwankungen
Die jüngsten Verluste unterstreichen, wie volatil der Edelmetallmarkt derzeit ist. Politische Entscheidungen, geldpolitische Erwartungen und technische Faktoren greifen eng ineinander. Für Anleger bedeutet dies ein Umfeld, in dem schnelle Richtungswechsel jederzeit möglich sind.
Ob es sich bei den aktuellen Kursen bereits um eine Bodenbildung handelt oder ob weitere Rückgänge folgen, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass die Phase scheinbar müheloser Kursgewinne vorerst beendet ist.