Privathaushalte erreichen erstmals mehr als zehn Billionen Euro
Das finanzielle Polster der privaten Haushalte in Deutschland hat eine neue historische Dimension erreicht. Nach aktuellen Hochrechnungen summiert sich das private Geldvermögen erstmals auf mehr als 10 Billionen Euro. Damit wurde eine Marke überschritten, die lange als kaum vorstellbar galt. Der kontinuierliche Zuwachs ist Ausdruck eines anhaltenden Sparverhaltens, aber zunehmend auch das Ergebnis steigender Kapitalmarktwerte.
Nach Berechnungen der DZ Bank erhöhte sich das nominale Geldvermögen im Jahr 2025 um rund sechs Prozent beziehungsweise knapp 600 Milliarden Euro auf etwa 10,03 Billionen Euro. Getragen wurde diese Entwicklung sowohl durch laufende Ersparnisse als auch durch deutliche Wertsteigerungen bei Wertpapieren.
Prognosen deuten auf weiteres Wachstum hin
Auch für das laufende Jahr erwarten Ökonomen keine Trendwende. Michael Stappel, Volkswirt bei der DZ Bank, rechnet trotz moderaterer Börsengewinne mit einem erneuten Anstieg. Er erklärte wörtlich: „Die absolute Ersparnis der privaten Haushalte bleibt auf Vorjahresniveau.“ Unter dieser Annahme könnte das Geldvermögen 2026 um weitere fünf Prozent auf rund 10,5 Billionen Euro wachsen.
Zwar dürften die Kurszuwächse an den Aktienmärkten geringer ausfallen als in den Vorjahren, doch der Bestandseffekt bleibt erheblich. Allein das bereits aufgebaute Vermögen sorgt dafür, dass selbst moderate Renditen zu hohen absoluten Zuwächsen führen.
Hohe Sparquote trotz wirtschaftlicher Belastungen
Auffällig bleibt das im internationalen Vergleich ausgeprägte Sparverhalten in Deutschland. Wirtschaftliche Unsicherheiten, steigende Lebenshaltungskosten und Sorgen um die Arbeitsplatzsicherheit haben dazu geführt, dass viele Haushalte Konsumausgaben zurückstellen.
Im ersten Halbjahr 2025 lag die Sparquote laut Statistischem Bundesamt bei 10,3 Prozent. Das bedeutet: Von jeweils 100 Euro verfügbarem Einkommen wurden durchschnittlich 10,30 Euro zurückgelegt. Pro Kopf entspricht dies einem monatlichen Sparbetrag von knapp 270 Euro. Für das Gesamtjahr schätzt die DZ Bank die Sparquote auf 10,4 Prozent – weniger als im Vorjahr (11,2 Prozent), aber weiterhin auf hohem Niveau.
Wandel vom klassischen Sparen zum Investieren
Ein struktureller Wandel zeichnet sich dennoch ab. Traditionell legen viele Menschen ihr Geld auf Tagesgeld- und Girokonten an, die zuletzt wieder niedrigere Zinsen boten. Bei gleichzeitig vorhandener Inflation droht dort ein realer Kaufkraftverlust.
Zunehmend wagen jedoch mehr Privatanleger den Schritt an die Kapitalmärkte. Wer sich von der Börsenscheu gelöst hat, konnte 2025 bereits im dritten Jahr in Folge von kräftigen Kursanstiegen profitieren. Nach Berechnungen der DZ Bank steuerten Aktien und Fonds allein 290 Milliarden Euro an Wertzuwächsen zum Vermögensaufbau bei.
Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland dennoch zurückhaltend. In Ländern wie den USA ist der Aktienanteil in den privaten Portfolios deutlich höher, was langfristig zu stärkeren Vermögenszuwächsen führt.
Ungleich verteilte Vermögenszuwächse
Die beeindruckende Gesamtsumme verdeckt erhebliche Unterschiede. Nach früheren Angaben der Deutschen Bundesbank entfällt rund die Hälfte des gesamten Geldvermögens auf die reichsten zehn Prozent der Haushalte, etwa vier Millionen Haushalte. Diese profitieren besonders stark von Kapitalmarkterträgen, da sie überdurchschnittlich in Aktien und Fonds investiert sind.
Am unteren Ende der Skala stehen hingegen rund 20 Millionen Haushalte, auf die lediglich acht Prozent des gesamten Geldvermögens entfallen. Diese Gruppen verfügen meist über geringe Rücklagen und investieren seltener in renditestärkere Anlageformen.
Zusammensetzung des Geldvermögens
In den Berechnungen werden Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere wie Aktien und Fonds sowie Ansprüche aus Versicherungen berücksichtigt. Immobilienvermögen bleibt ausdrücklich außen vor. Die endgültigen Zahlen für das Schlussquartal 2025 wird die Bundesbank Ende April veröffentlichen.
Schon jetzt zeigt sich jedoch: Das private Geldvermögen in Deutschland wächst weiter – getragen von Sparsamkeit, Kapitalmarkterträgen und einer langsam wachsenden Bereitschaft, Renditechancen zu nutzen.